Wenn das Leben völlig aus dem Ruder läuft:

 

Angst, Schreckhaftigkeit und Aggression

durch Schilddrüsenunterfunktion (SDU)

beim Hund

 

Ein Erfahrungsbericht

 

 

Dieser Bericht über die Erkrankung unseres Kromfohrländers Kaillou richtet sich in erster Linie an ebenfalls Betroffene, um ihnen und ihrem Hund leidvolle Irrwege und Umwege zu ersparen, wie wir sie leider erleben mussten: ein betroffener Hund sollte schnellstmöglich angemessene, kompetente Hilfen bekommen können!

 

Gleichzeitig möchten wir Hundebesitzer, deren Hund plötzlich ein unerwünschtes Verhalten entwickelt, ermutigen, noch vor vielleicht völlig ungeeigneten erzieherischen Maßnahmen oder einer irreversiblen Kastration zunächst in aller Sorgfalt eine mögliche zugrunde liegende Erkrankung medizinisch gut abklären zu lassen.

 

Und natürlich möchten wir mit diesem Bericht alle Interessierten informieren und sensibilisieren für das Erkennen von Anzeichen einer Erkrankung, die (außer bei den Fachleuten) noch viel zu wenig bekannt, aber offensichtlich quer durch alle Hunderassen stark zunehmend ist, möglicherweise auch im Zusammenhang mit veränderten Umweltfaktoren.

 

Wir berichten aus dem Blickwinkel von Betroffenen unsere Erfahrungen über einen Zeitraum von mehr als 4 Jahren, können aber als medizinische Laien die Informationen über die Erkrankung natürlich auch nur aus Laiensicht und laienhaft darstellen.

 

Eine fachlich fundierte und sehr gut lesbare Darstellung durch den Tiermediziner Ralph Rückert aus Ulm findet sich unter den folgenden beiden links:

 

 

1.   Das Phantom: Die subklinische Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) beim Hund“

http://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.php?Kunde=1489&Modul=3&ID=19159

 

 

2.   Die Schilddrüsenunterfunktion (SDU) beim Hund: Erfahrungen aus der Praxis“

http://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.php?Kunde=1489&Modul=3&ID=19611

 

 

Die Anfänge

 

Kaillou war in den ersten Monaten völlig unauffällig, ein Traum von einem kleinen Kromi. Wie schon in der Geschwistergruppe war er eher der bedächtige, erst mal abwartende Typ, kein Draufgänger, vorsichtig und zurückhaltend zwar, aber nicht ängstlich. Er war lustig, pfiffig, bewegungsfreudig, aufgeschlossen, neugierig, wissbegierig, total verspielt und super verschmust – und er lernte Neues mit sichtlich großer Freude und in atemberaubender Geschwindigkeit.

Ein wunderbarer, typischer Kromi eben, wie wir es vom ersten Kromi Atréju kannten und auch bei vielen anderen Kromis mitbekommen hatten.

Wir konnten mit Kaillou alles machen, übten sorgfältig und ausführlich mit ihm alles ein, was ein kleiner Hund in der Sozialisationsphase so lernen und kennenlernen muss, die ganze Palette rauf und runter.

Es lief einfach nur perfekt.

 

Natürlich waren wir regelmäßig auch in der Hundeschule, die wir sorgfältigst ausgesucht hatten, die uns uns bei der Auswahl überzeugend kompetent erschien und von der wir lange auch überzeugt waren.

Heute wissen wir, dass hier für Kaillou schon grundlegende Weichen falsch gestellt wurden, was wir leider erst sehr viel später durchschauten:

Besonders im Welpenkurs, aber auch in den späteren Kursen wurden wir immer wieder angehalten Kaillou zu ignorieren und weg zu gehen, wenn er sich bei uns Hilfe und Rückendeckung holen wollte, weil ihm Anforderungen oder auch die anderen Hunde nicht geheuer waren. Die Begründung: er solle lernen, selbstständig und von uns unabhängig zu werden und sich nicht z.B. bei Auseinandersetzungen mit anderen Hunden hinter uns verstecken statt das selbst zu lösen. Wir als Laien haben das den Fachleuten zunächst geglaubt, unserem gegenteiligen Impuls zum Trotz, es klang so plausibel.

 

Leider war das aber -jedenfalls für UNSEREN Hund- ein ganz fataler Irrtum, wie wir heute wissen, denn was Kaillou da systematisch gelernt hat, ist: „Wenn ich unsicher und völlig in Not bin und dringend Hilfe bräuchte, kann ich mich auf meine Leute nicht verlassen, ich bin ganz auf mich allein gestellt und muss irgendwie alleine Lösungen finden.“ Diese „Grundannahme“ führte auf dem Hintergrund der sich entwickelnden Erkrankung später zu noch zusätzlichen schlimmen Problemen, die vermeidbar gewesen wären – was „Hänschen“ nämlich so richtig gut gelernt hat, spult „Hans“ dann später bei Bedarf wie automatisiert ab.......und das wieder rückgängig zu machen, ist eine enorme Herausforderung schon für einen gesunden Hund, ganz besonders aber für einen Hund mit krankheitsbedingt ungünstigeren Voraussetzungen.

 

Etwa im Alter von 6 bis 7 Monaten begann Kaillou sich wahrnehmbar und sichtlich zu verändern.

Aha, dachten wir, Pubertät! Und nach einem langen Berufsleben gespickt mit mehr als reichlich vielen Erfahrungen mit pubertierenden Menschenkindern ließen wir die neue Phase schmunzelnd und gelassen auf uns zukommen, gönnten uns sicherheitshalber den Ratgeber „Hilfe, mein Hund ist in der Pubertät“ und blieben zunächst völlig entspannt.

 

Aber nicht lange........

 

Kaillou wurde plötzlich ausgesprochen ängstlich und schreckhaft, sowohl bei der Konfrontation mit Neuem als auch in Situationen, die ihm doch eigentlich bestens bekannt waren. Der Staubsauger z.B., der doch eigentlich längst zum Gähnen langweilig für ihn geworden war, versetzte ihn plötzlich völlig in Panik. Ein raschelndes Blatt, eine schnelle Bewegung, ein unerwartetes Geräusch, ein unbekannter Gegenstand – er erschrak buchstäblich vor der Fliege an der Wand, geriet in Panik in Situationen, die er doch bisher längst souverän gemeistert hatte. Neues, Unbekanntes wurde zum Problem. Hundebegegnungen, zuvor kaum ein Thema, wurden problematisch, und das zunehmend heftig. In der Hundeschule rastete er immer wieder völlig aus, je mehr Hunde da waren umso öfter und heftiger, je weniger Distanz zu anderen Hunden, umso schlimmer.

 

Die Tierärztin legte uns ebenso wie der Trainer mehrfach die schnelle Kastration nahe, was für uns aber zu dem Zeitpunkt nicht in Frage kam, sowohl von unserer Einstellung her als auch „aus dem Bauchgefühl“, dass es das nicht ist. Wir wurden von beiden immer wieder deutlich aufgefordert und angehalten, uns endlich bei unserem Hund energisch durchzusetzen und sein freches Dominanzstreben zu unterbinden mit entsprechenden restriktiven Maßnahmen. Kaillou galt als frecher, unerzogener, total aggressiver und dominanzstrebender Krawall-Chaot, der nicht in der Lage war, mit anderen Hunden auf Hundeart zu kommunizieren – er weigere sich. Wir galten als nicht durchsetzungsfähig.

 

Unser Bauchgefühl, Kaillou sei doch eher sehr ängstlich und unsicher, wurde überzeugend und mit Hinweisen auf seine angeblich deutlich aggressiv-dominanzstrebende Körpersprache widerlegt. Da wir keinerlei Erfahrung mit einem derartigen Verhalten bei Hunden hatten, glaubten wir den Fachleuten, allerdings zunehmend sehr verunsichert.

 

Heute wissen wir, dass Kaillous Verhalten in prototypischer Weise dem Krankheitsbild dieser speziellen Schilddrüsenunterfunktion entsprach – für einen aufmerksamen Fachmann wohl klar ersichtlich. Die Tierärztin und der Trainer erkannten es nicht.

Auch die offensichtlichen Fellveränderungen besonders im Kopfbereich fielen ihnen nicht auf:

Kaillou entwickelte zunächst ein prächtiges Kromi-Bärtchen und sah mit 8 Monaten schon ganz schön erwachsen aus, ein ganzer Kerl!

 

Dann veränderte sich sein Fell in relativ kurzer Zeit, es wurde insgesamt dünner, fusseliger und kürzer mit ausgedünnten Stellen. Bärtchen und Augenbrauen gingen zurück.

Kaillou sah wieder sehr viel jünger und kindlicher aus.

 

Auch im Bereich der Lefzen zeigten sich deutliche Fellveränderungen.

 

Besonders auffällig waren schon recht früh Veränderungen im Nasenbereich:

Das Fell auf dem Nasenrücken verschwand oberhalb der Nase,bis eine kahle, glänzende Stelle zu sehen war.

 

Extrem auffallendes Verhalten und sich veränderndes Fell:

Wäre Kaillous Erkrankung früher erkannt und behandelt worden und hätte er frühzeitig sowohl die angemessene medizinische Versorgung als auch die der Erkrankung angepassten erzieherischen Hilfen bekommen können, wäre ihm sehr viel Schlimmes erspart geblieben – und uns auch.

 

Unser Alltag wurde zunehmend von den Problemen mit Kaillou bestimmt.

 

Draußen im städtischen Umfeld rastete er oft bei der kleinsten Kleinigkeit aus, war dann völlig außer sich, nicht mehr ansprechbar, nicht erreichbar. Kam ihm etwas Angstmachendes zu nahe (Mensch/Tier/Gegenstand), flippte er oft völlig aus, und frei nach dem Motto „Ich muss alleine eine Lösung finden, mir hilft ja keiner!“(brav gelernt, „Hänschen“!!!) und „Angriff ist die beste Verteidigung“ wollte er sich in aggressivster Form auf das Angstobjekt stürzen, was wir oft nur mit Mühe unterbinden konnten, um wirklich Schlimmes zu verhindern.

 

Gassigänge wurden zu nervenaufreibenden und schweißtreibenden Spießrutenläufen voller Anspannung, da jederzeit mit dem nächsten Vorfall zu rechnen war. Wir, obwohl im sehr deutlich nicht mehr jugendlichen Alter, wurden auf offener Straße wüst, unflätig und oft in Duzform beschimpft, Leute wie wir dürften gar keinen Hund haben, wir unfähigen Hundehalter sollten mal zur Hundeschule gehen, so ein blöder Köter gehöre eingesperrt etc.

 

Auch bekamen wir viele, mal gutgemeinte, mal zynische Ratschläge.

Mal waren es durchaus gute Erziehungstipps (die wir jedoch alle –sofern tauglich- schon gründlich, aber erfolglos durch hatten), mal hieß es „Warum tut ihr euch das an?“ oder „Warum gebt ihr den Hund nicht ab?“, aber auch „Wenn das mein Hund wär, der würde garantiert schon morgen parieren!“ (=„Ihr bringt’s einfach nicht!“) oder gar „Wenn das mein Hund wär, den hätte ich längst irgendwo an der Autobahn vergessen!“

 

Es war eine sehr schwierige und lange auch sehr perspektivlose Zeit voller Ratlosigkeit, Frust, Enttäuschungen – andererseits aber auch eine tolle Zeit, denn wir hatten ja einen „Jekyll-Hyde-Hund“, ein Kerlchen mit buchstäblich zwei extrem unterschiedlichen Charakteren. So schlimm Kaillou sich einerseits auch aufführte, so umwerfend liebenswert, leichtführig und verspielt war er dann andererseits, und wir hatten sehr, sehr viel Freude an ihm und sehr viel Spaß miteinander. Und oft hörten wir in ruhiger Waldumgebung auch: „Was für ein süßer, wohlerzogener Hund!“, denn dort benahm Kaillou sich mustergültig......

 

Wir nannten ihn oft unseren „Eigentlich“-Hund: eigentlich wusste er sich gut zu benehmen, eigentlich hörte auf’s Wort, eigentlich war er superleicht zu führen, quasi mit dem kleinen Finger – aber wenn er in diese Schleife geriet, wo nichts mehr ging, war er nicht mehr erreichbar, Leitung gekappt, „The dog you are calling is temporarily not available“.

 

Uns blieb in solchen Momenten nur noch das Bemühen um Schadensbegrenzung....

 

Glücklicherweise erwiesen sich etliche Freunde und Bekannte über all die Jahre als ausgesprochen mitfühlend, verständnisvoll und einfühlsam, machten uns Mut und stärkten uns den Rücken. Neben unserer Züchterin Christa Steinbrink, die immer für uns da war und ist (Ein superdickes DANKE nach Bremen, liebe Christa!!!), sowie auch etlichen anderen ProKromfohrländer-Leuten seien hier mal beispielhaft besonders unsere Freunde Barbara und Jürgen aus dem Hegau mit Kaillous Kromi-Freundin Kira erwähnt. Beispiel: „Ihr könnt nicht mit Kaillou in ein Restaurant gehen? Kein Thema, dann machen wir eben erst eine Wanderung abseits der Hauptwege und dann ein großes Picknick auf einer Wiese!“ Soooooo toll!!! (Ein herzlich-herzhaftes DANKE, ihr Lieben!!!).

 

Wir beobachteten Kaillou intensiv und fanden heraus, dass sein Verhalten vollständig von der Art und Anzahl von Reizen abhängig war:

In reizarmen Situationen und Umgebungen war er fast komplett unauffällig und problemlos zu führen, auch Hundbegegnungen mit einem oder zwei Hunden verliefen, besonders ohne Leine, erfreulich oft problemlos.

Mit der Zunahme von Reizen aber veränderte sich sein Verhalten immer sofort: je mehr Reize, um so schlimmer. Er wurde nervös, geriet dann völlig in Stress und zeigte alle Anzeichen von Überforderung. Er konnte die Reiz-Überflutungs-Situationen einfach nicht mehr managen, die Reize nicht verarbeiten.

In seiner Not entwickelte er sich eine „Ich-muss-irgendwie-klarkommen-Strategie“: er strengte sich an, immer alles im Blick (=im Griff) zu behalten, indem er beständig versuchte alles um sich herum im Auge zu haben – ein Ding der Unmöglichkeit: selbst wenn der Kopf (mit dem Hund dran...) für den permanenten Rundumblick rotierte wie ein Kreisel......das konnte einfach nicht funktionieren, so tapfer er sich auch bemühte.

 

Für uns wurde immer klarer:

Kaillou war das genaue Gegenteil von dem, wie der Trainer und die Tierärztin ihn darstellten. Er war ein unsicherer, ängstlicher schreckhafter kleiner Kerl, der in seiner Not und ohne Hilfe völlig untaugliche schlimme Strategien entwickelt hatte, mit den Überforderungs-Stress-Situationen irgendwie klar zu kommen, und der dabei dann, voll im Tunnelblick, beim völligen Ausrasten nur noch ziellos um sich schnappte und nicht mehr erreichbar war für jedwede der üblichen erzieherischen Hilfen.

Wir waren völlig ratlos und mit unserem Latein am Ende.

 

Uns wurde immer klarer, dass etwas grundsätzlich nicht in Ordnung war mit ihm. Aber was?

 

Ganz klar war für uns: es war ganz offensichtlich grundlegend ein Reiz-Verarbeitungs-Problem, das sich umso drastischer in seinen Auswirkungen darstellte, je größer die Menge der ankommenden Reize wurde, die dann eben nicht mehr verarbeitet werden konnten.

Aber warum?

 

 

 

Beginn der (Ver-)Änderungen

 

Unserem Bauchgefühl folgend verließen wir die Hundeschule sowie die Tierärztin und suchten uns sowohl eine neue Hundeschule als auch eine neue Tierärztin.

 

Kaillou war inzwischen 1;3 Jahre alt.

 

Nach dem Eindruck beider neuer Fachleute war Kaillou alles andere als dominanzstrebend, frech, renitent oder unerzogen – sondern ganz im Gegenteil ein verunsicherter, ängstlicher und ganz offensichtlich kranker Hund, der dringend Hilfe braucht.

 

Buchstäblich aus allen Wolken fielen wir, als wir von beiden, sowohl Tierärztin als auch Trainerin, unabhängig voneinander jeweils nach kurzem Kennenlernen gefragt wurden: „Habt ihr Kaillous Schilddrüse mal untersuchen lassen?“

 

Kaillous krasses Verhalten und auch seine Fellveränderungen hatten diese Fachleute ganz offensichtlich sofort in diese Richtung denken lassen!!!

Wir wären nicht im Traum darauf gekommen. Obwohl wir uns mehr als intensiv mit unserer Problematik beschäftigt hatten, waren wir auf diese Möglichkeit bisher nicht gestoßen.

Wir waren unglaublich verblüfft - aber auch wie elektrisiert motiviert, nun endlich herauszufinden, was mit unserem Kleinen los war und wie wir ihm helfen könnten.

 

In der neuen Hundeschule – welche Wohltat! – ging es ab sofort nicht mehr darum, Kaillou den Erziehungserwartungen anzupassen, sondern nur noch darum, angepasste erzieherische Hilfen zu finden für Kaillous krankheitsbedingte Probleme, die endlich nun auch ernst genommen wurden.

 

Als erstes lernten wir die zentrale Bedeutung von Stress zu verstehen und zu verändern: Überforderungssituationen führen zum Anstieg von Stresshormonen im Blut, bei Dauerüberforderung bis zum Anschlag. Um aber einen sehr hohen Stresshormonpegel im Blut wieder abzubauen, hätte es mehrere stressfreie Tage gebraucht, was nie stattfinden konnte. Kaillou muss also ohne die Chance, Stresshormone wieder abbauen zu können, über lange Zeit einen permanent sehr hohen Stresshormonpegel gehabt haben, was wiederum dazu führte, dass schon der kleinste Anlass jeweils wieder ausreichte, um erneut den ohnehin hohen Stresshormonpegel wieder vollständig durch die Decke knallen zu lassen. Gewissermaßen ein Stress-Perpetuum-Mobile vom aller-aller-feinsten!

 

Das also war u.a. auch der Grund dafür, dass er sich selbst in ruhigen Situationen kaum entspannen konnte.

Uns wurde so vieles klar!

Wir lernten also, den Alltag so zu strukturieren und aufzubauen, dass Kaillous Stresspegel überhaupt erst einmal die Chance bekam, wieder runterzufahren - und dass es möglichst wenig Anlässe gab, ihn wieder hochschießen zu lassen. Ein erster, sehr hilfreicher Schritt!

 

Des Weiteren konnte Kaillou in ihm angepassten reizarmen Übungseinheiten in ruhiger Umgebung und mit nur ganz wenigen Hunden schrittweise lernen, potentiell  angstmachende Situationen bei immer geringer werdender Distanz zu bewältigen und auszuhalten. Wir lernten, wie wir ihn dabei unterstützen konnten. Sehr hilfreich war dabei der äußerst souveräne Hund der Trainerin, von dem Kaillou sich vieles abschaute und an dem er sich orientierte. Hier erfuhren wir übrigens, dass Kaillou (im Gegensatz zur früheren Einschätzung) die „Hundesprache“ nicht nur selbstverständlich doch versteht, sondern das sogar perfekt und äußerst sensibel – und dass er sie ebenso sicher auch anwendet.

 

Bei der neuen Tierärztin stellte sich zunächst das zeitverzögernde Problem, wie denn bloß bei Kaillou mit seinem Extremverhalten eine Blutentnahme überhaupt zu bewerkstelligen sein könnte.......was mit vereinten Kräften dann doch irgendwann gelang. Kaillou war 1;6 Jahre alt.

Das Ergebnis der Schilddrüsenwerte war mehr als niederschmetternd krass:

Kaillous T4-Wert lag noch unterhalb des im Labor überhaupt noch messbaren untersten Wertes, also quasi gegen null. Die Schilddrüse hatte die Arbeit so gut wie vollständig eingestellt.

Ein Organismus fast komplett ohne das zentrale Steuerungsorgan – was für ein Desaster!!!!

Aber immerhin hatten wir nun eine Erklärung für alle Probleme – und einen Lösungsansatz. Endlich Licht am Horizont!

 

Kaillou bekam ab sofort täglich 2x Schilddrüsenhormone in Tablettenform und schien nach einem guten halben Jahr und mehreren Kontrolluntersuchungen mit Dosierungs-Anpassungen gut eingestellt mit einem T4-Wert voll im Normreferenzbereich, wie er auf den Laborprotokollen angegeben ist.

 

Alles gut – dachten wir zunächst.

 

Es gab kleine, durchaus auch gut wahrnehmbare Fortschritte. Aber irgendwie auch das Gefühl: das kann es noch nicht sein, es hat sich zwar etwas in der Ausprägung, aber nicht wirklich grundsätzlich was verändert. Und es gab nach wie vor Situationen, in denen Kaillou für Erziehungsbemühungen „not available“ blieb. Unsere Tierärztin, zwar erfahren mit SDU, aber weniger mit dieser Ausprägung wie bei Kaillou vertraut, konnte uns nicht weiter helfen.

 

Was tun????

 

Wir recherchierten im Internet und stießen auf das Buch „Schilddrüse und Verhalten – Schilddrüsenunterfunktion beim Hund“ von Beate Zimmermann, Verlag „MenschHund!“ (sehr wissenschaftlich, für Laien nicht immer verstehbar, dennoch informativ).

Und fielen wieder einmal aus allen Wolken, fanden in der Symptombeschreibung an vielen Stellen unseren Kaillou wieder.

Eine Auswahl aus o.g. Buch:

- plötzliche „unprovozierte“ Aggression

- Reizbarkeit

- Persönlichkeitsveränderungen

-„Dr.Jeckyll und Mister Hyde-Syndrom“

- Wutanfälle, Ausrasten, Unberechenbarkeit

- scheues Verhalten, Angst, Geräuschangst, Ängstlichkeit

- Tunnelblick, Unansprechbarkeit

- Keine Belastbarkeit

- Stressanfälligkeit, geringe Stresstoleranz

- Phasen von Hyperaktivität

 

Uns wurde langsam klar, in welcher Richtung wir suchen mussten, nämlich nach einem Tierarzt mit spezieller Kenntnis von Schilddrüsenerkrankungen, die mit extremen Verhaltensauffälligkeiten einhergingen - aber dann stellte es sich als fast unlösbares Problem dar, einen Tierarzt mit Erfahrung auf genau diesem Gebiet zu finden

Wir recherchierten über längere Zeit vergeblich im Internet, zunächst im Umkreis von Konstanz, dann in immer größerem Radius, auch Deutschlandweit, nebenan in der Schweiz oder in Österreich und an allen tierärztlichen Hochschulen. Wir studierten Facharzt-Listen von tierärztlichen Berufsverbänden, vergeblich. Es gab etliche Tierärzte im Bereich Endokrinologie, die aber dann spezialisiert waren auf andere Teilgebiete der Endokrinologie. Auf den HPs von Tierärzten fanden sich, wenn überhaupt, Hinweise auf Spezialisierungen, nicht aber auf eine Spezialisierung auf SDU, schon gar nicht auf eine Form der SDU, die sich u.a. auch in Verhaltensproblemen darstellt.

 

 

 

Die Wende

 

Irgendwann stießen wir auf einen Blog-Artikel vom Tierarzt Ralph Rückert aus Ulm, der uns aus früheren Jahren von einem anderen Artikel (Paradigmenwechsel beim Thema Kastration) bereits ein Begriff war.

Wir lasen mit großem Staunen diesen Artikel über die spezielle Form der SDU, die sog. „Subklinische SDU“, und später einen zweiten Artikel als Fortführung des gleichen Themas. (Die links zu beiden Artikeln sind ganz oben in der Einleitung zu diesem Bericht zu finden.)

In weiten Teilen schien exakt unser Hund und unsere Situation beschrieben zu sein!

 

Uns wurde endlich klar, dass es neben der „gängigen“ und bekannteren SDU gerade bei Hunden tatsächlich auch diese sehr spezielle Form der SDU gibt, die sog. „Subklinische SDU“, die sich u.a. ganz eklatant in Form von Verhaltensproblemen äußert und einer spezialisierten differenzierten Diagnostik sowie einer speziellen, oft schwierigen Therapie bedarf, da die Dosierungs-Einstellung des Schilddrüsenhormons eben nicht nach Normwerten, sondern ganz individuell und oftmals weit oberhalb der üblichen Normwerte erfolgen muss. Dabei muss für jeden Hund die individuell passende Dosierung mit sehr viel Fingerspitzengefühl herausgefunden werden von einem sehr erfahrenen und darauf spezialisierten Tiermediziner, denn die Dosierung muss ausreichend hoch, darf aber auf keinen Fall zu hoch sein.

 

Das war für uns die Erklärung, warum trotz bereits erfolgter Substitution mit Schilddrüsenhormonen – eben lediglich im sog. Normbereich! - noch keine grundlegende Änderung hatte erreicht werden können. Offensichtlich war Kaillou nach wie vor immer noch unterversorgt mit Schilddrüsenhormonen, der individuelle „Pegel“ noch zu niedrig.

 

Wir hatten sofort das Gefühl: Bei diesem Tierarzt wären wir endlich richtig gut aufgehoben! Herr Rückert hatte jahrzehntelange Erfahrung in der erfolgreichen Behandlung von Hunden mit gerade dieser Erkrankung - und vor allem auch im Umgang mit diesen vierbeinigen Chaoten!

 

Die bange Frage – würde er unseren kleinen „Don Krawallo“ nehmen als Patienten, und dann noch von so weit außerhalb des Einzugsbereichs seiner Praxis?

 

Wir schrieben eine Anfrage per mail – und erhielten sehr schnell und überaus freundlich die Zusage für einen Termin.

Im Vorfeld erfolgte bereits ein intensiver Austausch, wir übersandten Berichte über Kaillous bisherige Entwicklung/Diagnostik mit der Problemdarstellung und bekamen erste gute Tipps zur Veränderung der Medikamentengabe und zum Ablauf der Erstuntersuchung.

 

Beim Ersttermin in der Praxis war Kaillou mittlerweile 2;6 Jahre alt.

 

Was wir dann in der Praxis von Herrn Rückert und seinem Team erlebten, macht uns heute noch sprachlos vor Staunen, denn so etwas hatten wir zuvor noch nie erlebt.

 

Bis dato hatten wir es nur so gekannt: Warten mit völlig überfordertem und kaum zu beruhigendem Hund im mehr oder weniger vollen Wartezimmer oder wahlweise freiwillig draußen auf der Straße......... im Behandlungsraum ein mehr oder minder deutlicher Zeitdruck (weil volles Wartezimmer....)........... die deutlich ausgesprochene oder nonverbal deutlich vermittelte Aufforderung, unseren Hund endlich still zu halten (=es liegt am Halter, wenn es so ausartet)......eine eher flüchtige Untersuchung, da mehr einfach nicht machbar war..........etc.

Stress pur für Mensch und Hund, jeder Tierarztbesuch ein Graus!

 

Nicht so beim Tierarzt Rückert!

 

Die Praxis war für anderthalb Stunden (aus denen schließlich 2 Stunden wurden) nur für Kaillou geblockt, kein anderes Tier war da (Der Doc: „Diese Hunde brauchen das beim Ersttermin so.“) Kaillou durfte einfach nur sein, was er war, nämlich krank; niemand wurde angemacht oder in irgendeiner Form unter Druck gesetzt; zum ersten Mal kamen wir uns nicht vor wie die Deppen, die mit ihrem Hund nicht klar kommen – ganz im Gegenteil, zum ersten Mal fühlten wir uns wirklich ernst genommen und wurden nicht für Kaillous chaotisches Verhalten verantwortlich gemacht. Der Doktor (ebenso wie sein tolles Team) ließ Kaillou viel Zeit und Raum, beobachtete ihn und untersuchte ihn nach kurzer Sedierung sehr gründlich und ausführlich (wie bisher noch nie!) und mit einer unglaublichen Ruhe, unterhielt sich mit uns, erklärte alles ganz genau – es war eine erstaunlich entspannte, herzliche Atmosphäre. Einfach toll!!!

 

Die Ergebnisse u.a.:

- Die individuelle schrittweise Anpassungserhöhung der Dosierung des Schilddrüsenhormonmedikaments kann ein langwieriger Prozess sein, der sich u.U. über 2 bis 3 Jahre hinziehen kann und regelmäßigen bzw. ggf. auch sofortigen Austausch über beobachtete Veränderungen erfordert, damit ggf. auch sofort reagiert werden kann.

- Eine Kastration wäre zum gegenwärtigen Zeitpunkt katastrophal: zum einen verbietet es sich, gleichzeitig in zwei Hormonsysteme einzugreifen, zum anderen darf man keinesfalls einem durch fehlendes Schilddrüsenhormon ohnehin völlig verunsicherten Rüden auch noch das Selbstvertrauen gebende Testosteron entziehen. Erst nach erfolgter guter Einstellung mit Schilddrüsenhormonen kann das Thema Kastration ggf. überlegt werden.

- Kaillous Ernährung sollte sukzessive umgestellt werden, bis ein 50/50 Anteil von Fleisch und Kohlehydraten erreicht ist.

- Es ist eine Autoimmun-Erkrankung, die genetisch vererbt oder idiopathisch erworben sein kann, wobei letzteres immer häufiger vorkommt. Als Betroffener darf Kaillou nicht zur Zucht eingesetzt werden, unabhängig von der Frage ob erworben oder ererbt.

 

Kleiner Exkurs:

Nachweislich laut Testung sind weder Kaillous Eltern von dieser speziellen oder einer anderen Form der SDU betroffen noch ist aus deren Herkunftsreihen in dieser Hinsicht etwas bekannt, und auch ist weder bei Kaillous insgesamt 11 Vollgeschwistern noch bei Halbgeschwistern, Cousinen oder Cousins etc. diese Form der Erkrankung bisher aufgetreten. Deshalb ziehen wir als Laien FÜR UNS -positiv denkend !!!- daraus den Schluss, dass es sich bei Kaillous Erkrankung vermutlich eher um die immer häufiger zu beobachtende idiopathisch erworbene Form der SDU handelt und nicht um eine der gefürchteten ererbten AI-Formen, auch wenn das letztlich nicht 100%ig auszuschließen ist. Solange es aber keinerlei handfeste sichere Hinweise auf eine genetisch bedingte Ursache gibt, wollen wir uns nicht in vorauseilender negativer Erwartung "verrückt" machen, wir sind optimistisch und bleiben diesbezüglich lieber erstmal ganz entspannt - mit wachsamen Augen, versteht sich.

 

Bei zunehmend gut greifender medikamentöser Einstellung kamen in der Folgezeit auch erzieherische Hilfen immer besser bei Kaillou an. Man darf sich nämlich keinesfalls der Illusion hingeben, mit der Medikamentengabe seien alle Probleme schlagartig gelöst. Keineswegs! Vielmehr schafft die gute medikamentöse Einstellung erst die Voraussetzung, dass Erziehung auch in den zuvor kritischen Situationen überhaupt wieder „ankommen“ und greifen kann!!! (In unkritischen Situationen gab es ja keine Probleme, da musste auch nichts neu geübt werden) Das ist ein für alle Beteiligten sehr heftiges Stück Arbeit, denn hier gilt es, das vor allem in der Präge- und Junghundphase richtig gut gelernte und fest verankerte Fehlverhalten gerade in diesen bisher kritischen Situationen wieder aufzudröseln, zu „löschen“ und stattdessen angemessenes Verhalten einzuüben und zu etablieren.

Ebenfalls sehr aufwendig ist es, einem Hund mit dieser Vorgeschichte schrittweise neue Erfahrungen zu ermöglichen: dass nämlich die zuvor irrtümlich als angstauslösend erlebten Situationen eigentlich ja doch kein Grund für Angst und Panik sein müssen. Zu schön, solche „AHA-Erlebnisse“ am Gesicht des völlig erstaunten Hundes regelrecht „ablesen“ zu können!

Sehr anstrengende Herausforderungen also, wobei für so manche Unart erst der richtige „Schlüssel“ zur Veränderung gefunden werden muss!

 

In dieser Phase sind wir nach Bayern gefahren zu einer Kromi-Züchterin und Kromi-Trainerin mit jahrzehntelanger Erfahrung speziell mit solchen Kromi-Rüden, die ein bekanntes, oft beobachtetes Kromi-Rüden-typisches Aggressionsverhalten zeigen – denn uns war klar, dass Kaillou als gestandener Kromfohrländer möglicherweise auch davon etwas mitbekommen haben könnte, sozusagen als Sahnehäubchen auf die SDU-Problematik inkl. des aus der Not falsch gelernten Problem“lösungs“verhaltens.

Wir erlebten dort außerordentlich lustige, arbeitsintensive und verblüffend lehrreiche Tage. Wenn wir zuvor dachten, wir wüssten doch eigentlich inzwischen so ziemlich alles über Kromis – weit gefehlt! „Mein Kromi, das unbekannte Wesen“ – lautete die Devise, und mit vielen erstaunlichen Erkenntnissen und noch mehr tollen Tipps im Umgang mit Problemsituationen fuhren wir gut gerüstet wieder heim. (Ein ganz dickes „Danke“ nach Bayern!!!)

 

Kaillou entwickelte sich mit zunehmend angepasster medikamentöser Einstellung und immer besser „greifender“ Erziehung weitgehend sehr erfreulich. Von vielen Seiten haben wir mittlerweile gehört, wie unglaublich er sich verändert und wie toll er sich gemacht hat. So mancher, der ihn auch anders kannte, hätte das vielleicht nicht mehr erwartet.....

 

Unser Alltag entspannte sich zusehends – jedoch: da eine gewisse Stressanfälligkeit blieb, blieb auch ein kleiner, unwägbarer Rest an plötzlichem ganz kurzem Rückfall in alte Verhaltensweisen bei unmittelbaren Hundebegegnungen, wenn Kaillou unter Stress kam.

 

Im vergangenen Sommer überlegten wir deshalb gemeinsam mit unserem Tierdoktor Rückert, ob eine Kastration für Kaillou vielleicht nun doch sinnvoll sein könnte – weniger wegen eines Problems mit dem Testosteron an sich, sondern wegen der mit dem Testosteron gekoppelten vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen, die wiederum das überschießende Verhalten auslösen bzw. begünstigen. Nicht so toll für einen Hund mit einer ausgeprägten Stressproblematik als Folge einer SDU....

 

Seit einigen Monaten hat Kaillou nun einen Hormonchip (sog. chemische Kastration), quasi als reversibler Probelauf, ob eine tatsächliche Kastration für ihn hilfreich sein könnte.

Das Ergebnis ist verblüffend positiv: Kaillou kommt erstaunlich gut zur Ruhe und kommt auch mit solchen Situationen immer souveräner klar, in denen das früher undenkbar gewesen wäre. Er wird immer entspannter und souveräner – und wir mit ihm!! Und er bleibt jederzeit ansprechbar und erreichbar, ohne bei möglichen Konfliktsituationen im Vorfeld schon abzudriften.

 

Wenn diese Entwicklung so anhält und es Kaillou weiter sichtlich so gut tut, werden wir uns im neuen Jahr zu diesem Schritt der Kastration entschließen – bisher eigentlich eher gegen Kastration eingestellt steht für uns im Vordergrund, dass es Kaillou gut geht, und wie es aussieht, tut ihm das richtig gut. Von unserem großen Wunsch, dass Kaillou als Zuchtrüde zum Erhalt der Rasse beitragen könnte, haben wir uns ja schon mit der Diagnose dieser Erkrankung schweren Herzens verabschieden müssen...... Sehr schade, denn Kaillou wäre ohne die Erkrankung offensichtlich aus züchterischer Sicht wohl sehr gefragt gewesen, wie uns mit dem erstaunlich großen Interesse an ihm recht früh von mehreren Seiten vermittelt worden war, nicht allein wegen seiner aus Züchtersicht wohl vielversprechenden äußeren Erscheinung, sondern besonders auch wegen der zuchtrelevant-genetisch sehr günstigen Ausgangslage durch die Wahl der Elterntiere.

Aber so ist das nun mal. Alles ist gut.

 

Heute (Ende Dezember 2017) ist Kaillou 4;5 Jahre alt.

 

Er ist medikamentös gut eingestellt mit regelmäßigen Kontrolluntersuchungen und ggf. Anpassungen. Wir haben uns an das strikte Einhalten der Zeiten für die zweimal tägliche Medikamentengabe ebenso gewöhnt wie an das genaue Einhalten der Futterpausen vor und nach der Medikamentengabe.

 

Wir haben viel mit Kaillou geübt, hilfreiche Regeln, Strukturen, Rituale und ein Abbruchsignal erarbeitet. Seit nun schon fast zwei Jahren sind wir regelmäßig und bestens betreut in Ulm bei unserem Tierdoktor Rückert, und auch bei kleineren Fragen und Problemchen sind wir telefonisch oder per mail schnell und unkompliziert im Austausch, trotz der Entfernung.

 

Er ist einfach unser Glücksgriff, unser „weltbester“ Tierarzt - und sein Team!!!

 

Ok, Kaillou wird immer ein Hund bleiben, der im Wald besser aufgehoben ist als samstags in der Mittagszeit im gläsernen Aufzug eines überfüllten Einkaufzentrums in der verstopften Innenstadt. Er wird sicherlich immer lieber mit einigen wenigen Hunden spielen als mit einer ganzen Meute. Und sicher werden Besuche von Großveranstaltungen und Rummelplätzen niemals in der Liste seiner Hobbies auftauchen – aber wir haben nun zunehmend einen zufriedenen, ausgeglichenen und leicht zu führenden Hund, mit dem wir langsam wieder auch nette gemeinsame „Ziele“ anpeilen können, die wir lange zurückstellen mussten, weil absolut nichts ging: gemeinsame Gaststättenbesuche mit Freunden z.B., oder kleine Paddeltouren (wir hatten ja extra schon ein etwas breiteres Einerkajak gekauft mit ausreichend Platz für unseren mitfahrenden Kaillou!), gemeinsames Schwimmen im Bodensee, Radfahren, Kromi-Wanderungen im kleineren Kreis und Kromi-Familientreffen in nicht allzu großer Runde – und ja, Urlaub! Endlich! Mit Wohnmobil, Fahrrad und Kanu!

 

Was kümmern uns nicht-erreichbare Ziele – wir setzen uns eben neue, die gut erreichbar sind. Wir verändern dort unsere Ziele passend, wo Kaillou sich nicht noch weiter ändern kann und auch nicht soll.

Ganz einfach! Und läuft!!! 

 

Unser Fazit:

Die (subklinische) SDU gehört nach unseren Erfahrungen und Informationen im Prinzip nicht zu den extrem schlimmen, lebensbeeinträchtigenden, lebensverkürzenden oder gar lebensbedrohlichen Erkrankungen. Wird sie früh erkannt und von einem erfahrenen Fachmann gut behandelt, kann der Hund unter täglicher individuell angepasster Medikation wieder völlig normal, unbeschwert, unbeeinträchtigt und voller Lebensfreude sein Leben mit seinen Menschen genießen - und seine Menschen können es mit ihm.

Zum richtig langwierigen, ernsthaften und sehr belastenden Problem kann diese Erkrankung aber werden, wenn sie nicht oder eben erst spät erkannt und behandelt wird. Je später die (subklinische) SDU diagnostiziert wird, um so mehr verfestigen sich schon im Vorfeld die in ihrem „Fahrwasser“ entstehenden Probleme und ziehen weitere neue, völlig überflüssige Probleme nach sich. Ist dann der medizinische Bereich endlich im Lot, was durchaus eine längere Zeit in Anspruch nehmen kann, folgt zusätzlich die oft langwierige erzieherische Aufarbeitung dieser „sekundären“ Probleme.

Deshalb:

Bei dem ersten Verdacht, dass etwas aus dem Ruder läuft:

Schilddrüse untersuchen lassen!!!!!

 

 

Wir hoffen, wir konnten mit diesem Bericht einen kleinen Einblick geben und Betroffenen Mut machen, nicht aufzugeben!!!

Sehr gerne stehen wir natürlich auch für Fragen und Hilfen zur Verfügung! (Kontaktaufnahme bitte über die Kontaktfunktion dieser HP)

 

Diesen Bericht möchten wir abschließen mit einem ganz herzlichen DANKE an alle, die uns in den wahrhaftig manchmal sehr schwierigen Zeiten so toll unterstützt und uns Mut gemacht haben und die einfach mit uns immer daran geglaubt haben, dass alles gut wird.

 

Vor allem: Lieber Herr Rückert, Ihnen als dem Tierarzt unseres absoluten Vertrauens gebührt das größtmögliche DANKESCHÖN!!! Ohne Sie wären wir niemals soweit gekommen mit Kaillou, wir sind Ihnen und Ihrem Team, besonders auch Ihrer Frau, unendlich dankbar!

Wir bleiben Ihnen gewogen, immer! :-))

 

Auch bei Kaillou würden wir uns ja gerne bedanken, dass er solange durchgehalten und selbst die Umwege, Irrwege und Fehlversuche so tapfer mitgemacht und ertragen hat, und dass er dabei noch ohne Groll so fröhlich geblieben ist – aber statt auf Dankesreden legt er doch wohl deutlich mehr Wert auf eine deftige Runde Ballspielen beim Wandern durch den Wald.......

 

Also, wir sind dann mal im Wald!